Formulierung von Fragen für Fragebögen

Die Formulierung von Fragen in Fragebögen ist eigentlich kein Statistik-Thema, hat aber erheblichen Einfluss auf die Datenqualität und die spätere Datenanalyse. Hier gebe ich ein paar Hinweise, über die man sich vor der Erstellung eines Fragebogens Gedanken machen sollte.

Der Befragte muss die Frage verstehen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass der Befragte die Frage richtig beantwortet ist, dass er sie richtig versteht. Sie können als Ersteller des Fragebogens nicht davon ausgehen, dass die Befragten genauso denken wie Sie und dass sie das gleiche Vokabular kennen und benutzen. Deshalb müssen Sie darauf achten, leicht verständliche Wörter zu verwenden und die Frage genau und ohne Deutungsspielraum zu stellen. Vermeiden Sie komplizierte Formulierungen und mehrdeutige Begriffe. Machen Sie sich klar, dass Wörter für unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Bedeutungen haben können.

Formulieren Sie die Frage so, dass der Befragte möglichst wenig hinein interpretieren kann. Der Befragte geht grundsätzlich davon aus, dass die Frage, die Sie ihm stellen, Sinn macht. Wenn er sie nicht gleich versteht, versucht er einen Sinn hinein zu interpretieren und antwortet dann gemäß seiner Interpretation. Diese kennen Sie aber nicht und vielleicht unterscheidet sie sich von Ihrer Interpretation dieser Frage.

Die Formulierung beeinflusst die Antwort

Machen Sie sich bewusst, dass die Formulierung die Antwort beeinflusst, selbst wenn sie klar und eindeutig formuliert ist. Vermeiden Sie deshalb Unterstellungen und suggestive Fragen. Unterstellungen haben den Nachteil, dass der Befragte nicht vernünftig antworten kann, wenn er der eigentlichen Frage zwar zustimmt, nicht aber der in ihr enthaltenen Unterstellung.

Ein Beispiel aus Porst, 2011: „Hat der mangelnde Respekt der Schüler vor ihren Lehrern Ihrer Ansicht nach Einfluss auf die tägliche Unterrichtsgestaltung in den Schulen?“

Suggestive Fragen beginnen z.B. mit „Wie allseits bekannt ist …“ oder „Die meisten Menschen …“ und drängen damit den Befragten in eine Ecke, so dass er dazu tendiert, sich konform zu äußern und nicht seine tatsächliche Meinung kund tut.

Der Kontext beeinflusst die Antwort

Daneben hat auch der Kontext einen erheblichen Einfluss auf die Beantwortung von Fragen. Dieses Problem ist allerdings nur schwierig und mit erheblichem Aufwand kontrollierbar, z.B. mit unterschiedlichen Fragebogenversionen mit verschiedenen Vorfragen in Pretests.

Referenzen

Rolf Porst (2011). Fragebogen. Ein Arbeitsbuch. VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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Über Daniela Keller

Ich berate als Statistik-Expertin Unternehmen, Forschungsgruppen, Doktoranden und Studenten zu allen Statistikthemen - von der Planung der Studie über die Auswertung mit geeigneter Software bis zur Darstellung und Präsentation der Ergebnisse. Es ist mir wichtig, Sie bedarfsgerecht zu Ihrer Fragestellung zu beraten und somit zum Gelingen Ihres Projekts beizutragen. Hier schreibe ich über kleine Statistikfragen, die ich knapp und unkompliziert beantworte und Lösungsansätze beschreibe.

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